Hollen-Online - Headergrafik

 

Link zu www.hollen.de
www.hollen.de

Logo Uplengen

 

 

Das Jahr Null

Als Jesus geboren wurde, mussten die alten Germanen noch neun Jahre auf die Schlacht im Teutoburger Wald warten. Und in Gallien verteidigten zwei Gallier sich und ihr Dorf immer noch hartnäckig gegen die Römer.

Um diese Zeit, also im Jahre Null, muss es gewesen sein, als sich in Hollen einige Leute niederließen und eine Siedlung aufmachten. Die heutigen Hollener haben bisher gar nicht gewusst, wie alt ihr Dorf ist. So um die 1000 Jahre, lauteten die Schätzungen. Doch jetzt sind sie den Ur-Hollenern auf die Spur gekommen, und die lässt sich bis ins Jahr Null zurückverfolgen. Das ergaben die archäologischen Untersuchungen der Ostfriesischen Landschaft Mitte der achtziger Jahre. Hollen gehört damit zu den ältesten Siedlungen in Ostfriesland.

Am Ortseingang aus Richtung Filsum, auf einem Grundstück der Kirchengemeinde, sollte nach Willen der Gemeindeväter im Rahmen der Dorferneuerung ein Teich entstehen. Bei den Baggerarbeiten hatte der Hollener Hermann Claus den Geistesblitz, obwohl bei den Arbeiten noch nichts altertümliches zutage kam: Er meldete der Landschaft in Aurich das Gelände als mögliche Fundstelle; sie erwies sich bereits noch kurzer Zeit als sehr trächtig für die Forschung. „Viele ungelöste Fragen in der frühmittelalterlichen Geschichte Ostfrieslands können durch diese Untersuchung gelöst werden", meinte Hans Janssen, Grabungstechniker bei der Ostfriesischen Landschaft. Die Siedlung könne helfen, eine Forschungslücke zu schließen, die für das Mittelalter zwischen dem Elbe-Weser-Dreieck und den Niederlanden bestehe.

Die Landschaft begann im April 1985 mit ihren Untersuchungen, unterstützt von der Gemeinde Uplengen und dem Amt für Agrarstruktur. Hans Janssen standen sieben ABM-Kräfte zur Seite, vier von der Landschaft, zwei stellte die Gemeinde, einen das Amt für Agrarstruktur. Die Funde stammten vorwiegend aus dem frühen Mittelalter, vor allem aus dem 8. Jahrhundert. Während aus dieser Zeit der Völkerwanderung (3.-5. Jahrhundert) keine Spuren festgestellt wurden, ist die römische Kaiserzeit (bis. 2 Jahrhundert) reichlich vertreten. Die Besiedlung endete im 12./13. Jahrhundert, vermutlich, weil es zu feucht an dieser Stelle war. Zu den Funden gehört ein fast vollständig erhaltener Krug aus der Zeit um Null. Die zahlreichen Verfärbungen im Boden, die auf unterschiedliche Siedlungsspuren hindeuteten, enthielten weitere Keramikstückchen. Ein besonders wichtiger Fund dürfte das Bugteil eines Schiffes gewesen sein, das die Fachleute als Nachfolgertyp eines Einbaums einstufen. „Solch ein Fund wurde auf der ostfriesischen Geest bisher nicht gemacht", wies Hans Janssen auf die Bedeutung hin.

Inzwischen waren auf der etwa einen Hektar großen Fläche auch drei Hausgrundrisse freigelegt worden. Ein Haus stammte aus der Zeit des 9./10. Jahrhunderts nach Christus. Schwierigkeiten bereitete bei der Ausgrabung eine Pfostenansammlung, in der sich fünf Hausgrundrisse überlagerten. Die Keramik, die zu der Zeit aus den Pfostenresten geborgen werden konnten, wies in die Zeit vom 7. bis 12. Jahrhundert. Die Ausgrabung erschloss einen Teil eines größeren Siedlungsplatzes, der am Hang der Sandhöhe der heutigen Ortschaft Hollen am Ufer des Molkereischlootes entstanden war. Der Platz war gut gewählt, weil der Molkereischloot den Rest eines natürlichen Gewässers bildet, das in die Hollener Ehe mündet, die ihrerseits eine Anbindung über die Gewässer an die überregionalen Verkehrswege.

Die meisten Menschen lebten im Mittelalter von der Landwirtschaft. Die Menschen produzierten Rinder und Getreide, das über den Wasserweg zu den Marktplätzen und auch zu den ferneren Städten und Klöstern transportiert werden musste. Ein besonderes Erzeugnis für den Handel waren feine Wolltuche. Zahlreiche Spuren des mittelalterlichen Lebens konnten bei der Ausgrabung in Hollen entdeckt werden: Die Webgewichte zeigen, dass hier Wollstoffe für die Bekleidung gewebt wurden und dass die Kittel, Kleider, Mäntel und Hosen aus Wolltuchen auch geschneidert wurden.

In einem Brunnen fanden sich Holzteile eines erweiterten Einbaumes, mit dem Waren auf dem Wasser zu den Handelsorten gebracht werden konnten. Wahrscheinlich lebten in der Siedlung auch Handwerker, wie z. B. Zimmerleute, die Boote und Häuser bauten. Das feine gelbe Importgeschirr der Pingsdorfer Ware stammt aus dem Rheinland, dorthin wurden die heimischen Waren transportiert und rheinische Luxusgüter (Waffen, Gläser, Schmuck und Wein) importiert. Anhand der Funde von Tongefäßscherben kann die Siedlungstätigkeit ungefähr in den Zeitraum von 800 bis l200 n. Chr. datiert werden.
Leider kann noch nicht gesagt werden, wie viel bäuerliche Gehöfte am Rande der Niederung lagen; aber wir wissen, dass ein bäuerlicher Betrieb aus einem großen Haus von etwa 20 m Länge, Speichern, Nebengebäuden und einem Brunnen bestand.
Wie viele Menschen hier lebten, ist ebenfalls unbekannt; aber man darf annehmen, dass etwa 6 bis 10 Menschen in einem Gehöft wohnten. Die Menschen zogen von diesem Siedlungsplatz wahrscheinlich erst nach 1200 auf die Höhe des Sandrückens, wo heute die Ortschaft liegt. Der ehemalige Siedlungsplatz wurde dann als Ackerland benutzt, davon zeugen die Wölbäcker, die die Siedlung bedeckten.